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Aufwand, Gefahren und Nutzen von Fracking

Am 13.02.2012 fand im Niedersächsischen Landtag in Hannover eine Anhörung zum Thema Fracking statt. In der Lingener Tagespost wurde dazu in den Artikeln: „Erdstoß in Gasförderfeld befeuert Fracking-Debatte“ und „Alle Fraktionen für verstärkte Prüfung beim Fracking“ am 14. 02.2012 berichtet.

Dazu der Leserbrief zu den Auswirkungen des Fracking von Dietmar Le Calvez aus Lünne:

Da ich dieser Anhörung des Umweltausschusses des Landtages beigewohnt habe, möchte ich den obigen Artikeln kurz persönliche Eindrücke hinzufügen.

Niedersachsen wird sich vermehrt auf kleinere, einschließlich der potenziellen Gefahr größerer Erdbeben, einstellen können, sollte es zur einer Ausbeute der unkonventionellen Erdgaslagerstätten kommen. Wer Gesteinsschichten mittels Fracking im Untergrund aufsprengt und glaubt, dies hätte keinen Einfluss auf seismologische Tätigkeiten des Untergrundes, ist im besten Fall naiv. Dies zeigen Erfahrungen aus den USA und eben auch wie jetzt wieder Söhlingen.

Die Vorräte an Erdgas in Deutschland sind Schätzungen und keinesfalls gesicherte Vorkommen und gerade bei unkonventionellen Lagerstätten zeigen Erfahrungen aus den USA aber auch Polen, das z. T. nur 20% des prognostizierten Gases ausgebeutet werden können. Dies relativiert die angebliche Verlängerung der Erdgasförderung auf heutigem Niveau von 12 auf 60 Jahre unter Einbeziehung der unkonventionellen Lagerstätten.

Warum sich die Energiewirtschaft generell skeptisch zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung bei Frackingvorhaben äußert, ist vor dem Hintergrund, dass die Gasversorgungssicherheit in Deutschland auch zukünftig gewährleistet ist und in Deutschland regenerative Energien fokussiert werden sollen, unverständlich auch in Bezug auf eine angebliche wesentliche längere Dauer von Genehmigungsverfahren. Eile ist hier überhaupt nicht geboten und ein sehr schlechter Berater in Bezug auf Fracking.

Eine Erschließung unkonventioneller Gaslagerstätten ist nur in der Fläche mittels Fracking und damit dem Einsatz durch giftige Chemikalien möglich. Hier erweckt der Artikel leider den Eindruck, es würde zukünftig auf den Einsatz von Chemie beim Fracking verzichtet werden können. Dies ist nicht der Fall! ExxonMobil möchte nur die höchst toxischen Chemikalien ersetzen, von den anderen wassergefährdenden und gesundheitsschädlichen Stoffen war nicht die Rede, somit bleibt auch das Entsorgungsproblem von Fracflüssigkeiten und der hohe Wasserverbrauch beim Fracking bestehen. Was ist der Gesellschaft wichtiger Gas oder Wasser?

Der Trinkwasserschutz muss dabei Vorrang haben, wie auch bei der Anhörung die Vertreter der Wasserverbände vehement eingefordert haben. Insofern greift der Vorschlag der niedersächsischen schwarz gelben Regierungsfraktionen einer Vorprüfung bei Frackingvorhaben viel zu kurz. Das Landesbergbauamt als Genehmigungs- und Kontrollbehörde hat Vertrauen in der Bevölkerung verspielt, indem die Fachleute dort ungeeignete Rohrmaterialien zum Lagerstättenwassertransport genehmigt haben und scheinbar nie etwas von Diffusion gehört haben. Somit wurde eine Kontamination von Grundwasser und Erdboden mit Benzol ermöglicht. Wer die Öffentlichkeit wirklich mit einbeziehen will, wird nicht um die Minimalforderung der „Bürgerinitiativen gegen Fracking“ einer Umweltverträglichkeitsprüfung herum kommen und darf sich darauf einstellen, dass sich bei so gut wie jeder neuen geplanten Bohrung eine Bürgerinitiative bilden wird.